WECHSELJAHRE SIND KEIN FRAUENTHEMA. SIE SIND EIN FÜHRUNGSTHEMA.
- koeniginkarinzaube
- vor 9 Stunden
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Ich sitze mit einer lieben Freundin beim Kaffee. Wir reden über die Arbeit. Und dann sagt sie: „Meine Wechselbeschwerden waren so massiv, ich habe monatelang nicht mehr geschlafen, es war der Horror."
Seit sie Hormone nimmt, geht es ihr besser. Aber: Sie hat sämtliche Verantwortung im Job abgegeben. Es ging einfach nicht mehr anders.
Am Anfang haben ihre Vorgesetzten das nicht verstanden. Erst als sie massiv Druck gemacht und mit Kündigung gedroht hat, wurde sie ernst genommen. „Das versteht ja keiner", sagt sie. „Wennst dein Leben lang Hochleistung erbracht hast." Genau das lässt mich nicht mehr los. Eine Frau, die jahrelang geliefert hat, musste erst drohen, um gehört zu werden. Das ist kein Einzelfall. Das ist System.
Ø DIE ZAHLEN, DIE MICH AUFGERÜTTELT HABEN
1.720 Frauen in Österreich hat die Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin gemeinsam mit Wechselweise befragt („MenoSupport Austria", 2024). Das Ergebnis: Mehr als zwei Drittel fühlen sich durch Wechseljahresbeschwerden in ihrer Arbeitsleistung eingeschränkt. Erschöpfung, Schlafstörungen, Hitzewallungen, das alles sind keine Randerscheinungen, sondern Symptome, die genau die Fähigkeiten treffen, die in Führung und Fachfunktionen gefragt sind.
20,8 Prozent haben ihre Arbeitsstunden reduziert. 15,2 Prozent haben eine Auszeit genommen. Bei Frauen über 55 ist jede Siebte früher in Pension gegangen. Und trotzdem: Für die Hälfte der Befragten ist das Thema am Arbeitsplatz ein Tabu. Nur 6,5 Prozent bekommen betriebsärztliche Unterstützung.
Die gute Nachricht: Die Frauen sagen sehr genau, was helfen würde. Sensibilisierte Führungskräfte (72,2 %), flexible Arbeitszeit (70 %), eine wechseljahresfreundliche Kultur (69,1 %). Das sind keine utopischen Wünsche. Das sind Führungsaufgaben.
Ø WARUM DAS ALLE ANGEHT – NICHT NUR DIE BETROFFENEN
Österreich hat ein demografisches Problem: Die geburtenstarken Jahrgänge gehen, zu wenige rücken nach. Frauen zwischen 45 und 55 - genau die Gruppe, die am stärksten betroffen ist, sitzen oft auf Jahrzehnten an Fachwissen, Kundenbeziehungen und Führungserfahrung. Es ist die Gruppe, die sich Unternehmen am wenigsten leisten können zu verlieren. Und sie verlieren sie überproportional.
Für Deutschland hat dieselbe Forschungsgruppe das schon in Zahlen gegossen: 9,4 Milliarden Euro Schaden pro Jahr, fast 40 Millionen entgangene Arbeitstage. Konservativ gerechnet, ohne Frühpensionierungen und ausgebliebene Beförderungen mitzuzählen. Für Österreich fehlt diese Zahl noch, die Größenordnung dürfte ähnlich sein.
Kurz gesagt: Kein Frauenthema. Ein Fachkräftethema. Ein Bindungsthema. Ein Führungsthema.
Ø DIE VIER GRÖSSTEN STELLSCHRAUBEN
👉 Aussprechen. Der günstigste und wichtigste Punkt überhaupt. Solange die Hälfte der Belegschaft das Thema als Tabu erlebt, ändert keine Maßnahme etwas an der Realität der betroffenen Frauen.
👉 Führungskräfte schulen - gerade Männer. Wissen über Symptome, Gesprächsformate, den Unterschied zwischen Fürsorge und Übergriffigkeit. Wenige Stunden, nachhaltige Wirkung.
👉 Betriebliches Gesundheitsmanagement ausbauen. Aktuell nutzen es nur 6,5 Prozent der Betroffenen. Die am stärksten ungenutzte Stellschraube im ganzen System.
👉 Karriereknick verhindern. Viele Frauen fühlen sich in dieser Phase weniger wertgeschätzt als Kollegen. Das schlägt sich in Beurteilungen und Beförderungen nieder, wenn Führung nicht aktiv gegensteuert.
Mein wirksamster Tipp dazu: Das Thema nicht als eigenen „Wechseljahre-Workshop" isolieren, sondern in die bestehende Führungskräfteentwicklung integrieren. Als einen Baustein von mehreren, die Führung über verschiedene Lebensphasen hinweg mitdenkt.
Ø WAS JETZT ZU TUN IST
Die Daten sind da. Die Vorbilder sind da. Was in den meisten österreichischen Unternehmen fehlt, ist der erste Schritt: das Thema offen auf die Agenda setzen. Und das bevor die nächste erfahrene Kollegin geht. Oder erst drohen muss, damit man ihr zuhört.
👑 Genau dabei unterstütze ich Unternehmen und Führungskräfte: mit Trainings, die das Thema enttabuisieren, mit Werkzeugen für den Alltag und mit einem Blick von außen, der oft schneller zeigt, wo die größte Stellschraube liegt.
Wenn Du wissen willst, wo Dein Unternehmen ansetzen sollte: Schreib mir: post@karinkoenig.com
Ø Und hier wie immer meine Reflexionsfrage für Dich:
Wie viele Frauen in Deinem Team müssten wohl erst mit Kündigung drohen, damit sie ernst genommen werden? P.S.: Die Studienergebnisse gibts beim MenoSupport Austria und viel Interessantes auf Wechselweise - auch zu den Wechseljahren der Männer!

